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Epilog

Messing, 1994, Feld mit 29 Ofenklappen, ca. 155 x 175 cm

„Das Orakel einer verrosteten Blechdose ist Ihre Schönheit“, schrieb Heiner Bastian über Beuys: „Das Orakel der Metropolen ist wie ein Schleier des Verschleißens“. Und Verschleißen bedeutet die animalische Intensität des Konsums. Die Bildzerstäubung. Die Anarchie des Verfalls. Bedeutet: dass die Welt in abertausend Stücke zerbricht. Jene Abspaltung der Teile, die eine Abstraktion des Todes ermöglicht. Und jedes Einzelstück ein Ding. Ein Fragment der äußeren Welt. Ein verbrauchter. überflüssiger Gegenstand, der an der Peripherie unser Außen-Sphäre gespült wird und dort seine Bedeutung erhofft: auf seine Rettung wartend.

Bei dem Wand-Tableau Epilog handelt es sich um 29 unterschiedliche kleine Messingtüren, die einmal in die Berliner Häuserwände eingelassen waren und zum Entrußen, zur Wartung der Schornsteine dienten. Aber die man, nachdem der Abriss der alten Kachelöfen erfolgte, nicht mehr benötigte. Paul Pfarr hat daraus ein serielles, semantisch wirkendes Blickfeld geschaffen. Ein Feld der reinen Faktizität, der statistisch erfassbaren Regelmäßigkeiten. Hier wird weder eingegriffen, verändert, kombiniert oder ergänzt, sondern nur in Reihungen gearbeitet. Und die stupide Wiederholung der Form wird zur Formel, zum Signet. Ikonografische Elemente, von denen etwas instrumentenhaftes, etwas Ordnung stiftendes ausgeht, das einen funktionsfähigen Schaltpult unserer Elektronik gleicht, aber in seiner ursprünglichen Wirklichkeit nur die Verriegelung auf der Rückseite der Kaminklappe darstellt.

Was für ein Aufwand mit dem unscheinbaren! Was für eine Präzision der Nebensächlichkeit. Aber es geht hier nicht um die Wiedererkennung und die Benennung der Fundstücke, sondern gerade um ihre Unkenntlichkeit! Um die künstlerische Zuweisung eines neue Ortes, eine neuen Funktion. Und: seit Newtons Verherrlichung des Meßbaren, um einen neue Wirklichkeit des Sichtbaren. „Jedes Ding, das angerührt wurde, veratmete eine Melodie“, schrieb Paul Valerie, denn weder die Materie, noch der Raum, noch die Zeit sind in der letzten 20 Jahren geblieben, was sie vordem seit jeher waren. Und weshalb sollten die weggeworfenen und von Paul Pfarr wieder aufgefundenen Schornsteintüren in diesem Wandlungsprozess die einzige Ausnahme sein?

Walter Aue, aus: Orte. Gegenstände. Paul Pfarr, Seite 60, ISBN 3-929 902-59-1